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Deutschordenspfarrei St. Peter und Paul Heilbronn

Baugeschichte

Die Kommende Heilbronn des Deutschen Ordens wurde 1225 gegründet. Die Konventsgebäude des Deutschhofs wurden in der Folgezeit errichtet, wobei die zur Kommende gehörende Kirche im 13. Jahrhundert zunächst als Marienkapelle bezeichnet wird. Da die Entstehungsgeschichte der Heilbronner Kirchen aus den Quellen nicht klar hervorgeht und unter der Kirche Fundamentreste eines Vorgängerbauwerks gefunden wurden, könnte es sich bei dieser Marienkapelle eventuell um die Erweiterung eines bereits im 8. Jahrhundert bestehenden Bauwerks handeln. Baugeschichtlich geklärt ist erst die Entwicklung der Deutschordenskirche nach der Stiftung des Deutschordenshauses.

Die romanische Kirche „St. Marien“ um 1225

Um 1225 wird auf den Fundamenten und Kalksteinmauern eines Vorgängerbaues eine Ordenskirche aus Sandstein gebaut und der Heiligen Maria geweiht. Der eindrucksvolle spätromanische Turmchor dieser Anlage, der zuvor erbauten Weinsberger Stadtkirche größte stilistische Ähnlichkeit aufweist, dürfte dabei entstanden sein. Im Turmchor steht ein romanischer Sarkophagaltar. Der rosettenartige Schlussstein ist von besonderer Schönheit. Die gesamte abendländische Baukunst hat nichts Gleichartiges aufzuweisen. In seinen Schmuckelementen, stilisiertem rankenden Blattwerk sind islamische Einflüsse (Kreuzzüge) mit germanischen Einflüssen gepaart.

Der gotische Neubau der Wallfahrtskirche „Zu unser lieben Frau“ von 1340 bis 1360

Die Ordenskirche wurde zu einer Wallfahrtskirche. Dadurch wurde 1340 eine Erweiterung nötig. Der jetzt bestehende Bau stellt diese Erweiterung dar, die man im Norden unmittelbar neben die ältere Anlage gesetzt hatte. Allerdings war diese in der Zeit der Gotik eine dreischiffige Pfeilerhalle zu fünf Jochen. Die Pfeiler hatten einen Querschnitt von 92 cm. Sie trugen eine Holzbalkendecke mit einer Scheitelhöhe von 10 Metern. Die Pfeiler standen auf zwei Reihen von jeweils vier Einzelfundamenten in der Größe von jeweils 1,60 m x 1,60 m, in einer Tiefe von 1,80 m. Die acht Pfeilerfundamente sind alle aus behauenen Sandsteinen hergestellt, mit Kalkmörtel vermauert. Die beiden Fundamentreihen sind derart angeordnet, dass sie das Kirchenschiff in drei fast gleich große Felder in Längsrichtung unterteilen. Als das Schleichtor freigelegt wurde wurden Teile der gotischen Pfeiler entdeckt, die bei der Barockisierung 1721 entfernt worden waren. Der Chor der romanischen Kapelle blieb im Kirchturm neben der neuen Anlage erhalten. An die Pfeilerhalle der gotischen Kirche schloss sich ein schlichter, von Strebepfeilern außen gegliederter Chor an, dessen Apsis aus fünf Seiten eines Oktogons konstruiert war.

Der Umbau des Langhauses und Chores von 1490 bis 1510

Von 1490 bis 1510 wurde die gotische Kirche unter den Baumeistern Hans von Karstädt, von Welden und von Liebenstein umgebaut. Der kleine Chor wurde durch einen großen, spätgotischen Chor ersetzt. Dieser besitzt seither 11 große, gotische Fenster. Das Innere des Chors von einem Kreuzrippengewölbe überspannt.

Die „Speydelsche Kapelle“

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde an der Nordseite des spätgotischen Chors die Speydelsche Kapelle mit Kreuzrippengewölbe und Wendeltreppe erbaut. Erbaut wurde sie nach einer testamentarisch vermachten Stiftung von Ludwig Speydel, der 1484 verstarb. 1968 wurde die intakte, spätgotische Kapelle zugunsten einer neuen, modernen eingeschossigen Sakristei abgebrochen. Die Gewölberippen, Spolien und ein Schlussstein mit mittelalterlichem Gesicht wurden wiederverwendet.

Das „Schleichtor“ 1530

1530 bekennen sich Rat und Bürgerschaft zur Augsburger Konfession. Somit werden die Stadt Heilbronn und die Pfarrkirche Heilbronns protestantisch. Die Liebfrauenkirche des Deutschhofes gilt nach der Reformation in Heilbronn als Zufluchtsort und Mutterkirche der Heilbronner Katholiken. Da der Rat der Stadt das Hauptportal der Liebfrauenkirche des Deutschhofes mit Ketten verriegeln ließ, schlichen die Heilbronner Katholiken über ein Seitenportal aus dem Deutschordensfriedhof in die Kirche hinein.

Die Renaissance-Umbauten der Kirche um 1602

Als im kleinen Deutschhof der sogenannte Stein-Kallenfels-Bau um 1600 entstand, wurde ein Zugang von dem heute als Pfarrhaus genutzten Bau in die gotische Kirche geschaffen. Das romanische Langhaus wurde im Westen um die Hälfte gekürzt. Es entstand noch der heute existierende Renaissancegang. Der Gang besteht aus zwei Geschossen und zeigt vier Pfeiler mit drei Archivolten. Das erste Geschoss des Ganges zeigt ein aus Backsteinen gemauertes Kreuzgewölbe mit Sandsteinrippen. Zwischen dem gotischen Langhaus und dem Glockenturm wurde ein Treppenhaus eingefügt.

Die barocke Kirche „St. Peter und Paul“ um 1721

Der Heilbronner Komtur Georg Adam von Speth erhoffte sich vom baufreudigen Landkomtur Karl Heinrich von Hornstein in Ellingen, Sitz der Verwaltung der Deutschordensballei Franken, die Erlaubnis zu einer durchgreifenden Umgestaltung der Kommendekirche zu erhalten. Der Landkomtur schien der Bitte des Heilbronner Komturs von Speth um eine Erneuerung nicht abgeneigt gewesen zu sein, denn er bat ihn, ihm einzelne Baumaßnahmen zu nennen. Am 18. April schrieb von Speth nach Ellingen und erklärte:
„… wegen der hiesigen Kirchen vorhabende Reparation [bin ich] allwegs… der Meinung….daß die Kirche mit einem Dachstuhl, Faciate, Portal und Fenster, von außen verputzet, gemacht würde…[außerdem sei es erforderlich] daß dastehende alte ohnformliche Kirchturm sonders dessen spitzige Dachtsuhl abgetragen, so dann um ein Stockwerk darauf gemauert, folgende mit einem welschen Kuppeldach gezieret werden muß.“
Hornstein antwortete dem Komtur am 29. April 1720 und versprach ihm, dass er zusammen mit seinem Baumeister Franz Keller den Umfang besprechen wolle, sobald dieser nach Ellingen zurück sei. Am 13. Mai erklärte von Hornstein, dass er die Sache mit seinem Baumeister besprochen habe und schlug vor, dass Keller „dieses Werk künftiges Jahr vorzunehmen habe“.
Als die gotische Liebfrauenkirche in eine Barockkirche umgewandelt wurde, wechselte vermutlich auch das Patrozinium zu St. Peter und Paul. Nach Auflösung des Deutschen Ordens übernahm 1806 der erste Diözesanpriester die Pfarrei.
Gemäß dem Accord (Vertrag) sollte Keller den alten Dachstuhl abbrechen, die Hauptmauern um 15 Schuh erhöhen und das Langhaus mit einem steinernen Hauptgesims versehen. Besonderen Wert wurde auf die Gestaltung der Fassade mit dem Giebel gelegt und einem reich geschmückten Portal mit vier Säulen, Gesimsen gelegt.
Kellers Aufriss zeigt uns die „Faciaten gegen die Stattgass“ als eine hohe, nahezu ungegliederte Wand, die von seitlichen Lisenen eingefasst wird. Der Mittelteil der Fassade wird akzentuiert vom Portal und einem hohen spitzbogigen Fenster. Das profilierte Gesims verläuft nicht horizontal, sondern schwingt in der Mitte über die Spitze des Fensters sementbogig auf. Die Giebellinie läuft, von seitlichen Postamenten ausgehend, in sanftem konkaven Schwung nach oben und endet in einem profilierten Giebeldreieck. Die Fassade erhielt als weiteren Akzent einen prächtigen Eingang. Über eine zweiläufige Freitreppe führt der Weg zu dem breiten, segmentbogig geschlossenen Portal. Flankiert wird es von schlanken kompositen Säulen, die durch ihre enge Stellung mit ihrer Verdoppelung etwas aufdringlich wirken. Sie tragen einen Architrav, einen gebauchten Fries und ein Gesims, das sich in der Mitte hochschwingt und damit das Motiv des geschwungenen Giebelgesimses aufnimmt. Auf dem Gesims befinden sich die Wappen von Hauskomtur, Landkomtur und Hochmeister des deutschen Ordens. Flankiert werden sie von Helmen, Harnischen und anderen Armaria des Ordens. Die Durchführung der Umbaumaßnahmen nach den Vorschlägen Franz Kellers erfolgte unter der Bauleitung von dessen jüngerem Bruder Johann Michael Keller der Ältere, der in Neckarsulm ansässig war –„an Baumeister Johan Michael Keller von Neccarsulm vor alle an besagter Kirche und Thurm.“
Für die Ausmalung der Ordenskirche konnte der italienische Maler Luca Antonio Colomba gewonnen werden. Ihm wurde für „die fresco malerei in der Kirche am Chor, lanhaus und Kapelle oben am gewölb“ 1200 Gulden bezahlt. Die Ausmalung erfolgte ab Sommer 1722.

Im barocken Kleid: Vor der Zerstörung

Die Zerstörung 1944

Am 4. Dezember 1944 wurde das Deutschordensmünster mit dem umliegenden Deutschhof beim Luftangriff auf Heilbronn zerstört. Der erste Verlust an historischer Bausubstanz war zu beklagen, als am 5. Februar 1948 die halbe Chordecke des Deutschordensmünsters infolge von Kälte und Regen einstürzte. Endgültig verloren gingen die „mächtigen Stukkaturen, die prächtige Kanzel, die feudale Fürstenloge und die Deckengemälde von Colomba“.
H. H. Stadtpfarrer Dekan Dr. Stegmann berichtete als Augenzeuge von der Zerstörung des Sakralbaus:
„Als ich als letzter Augenzeuge in der brennenden Kirche stand, da sah ich nur, wie das von Phosphorbomben entfachte und genährte Feuer den Altar und die Orgel zuerst erfaßt hatte, wie dann die Bänke und die Tore mitbrannten. Der Sturm hatte mit rasender Eile fasst alle brennbaren Teile der Kirche erfaßt. Zuerst war die Decke über der Orgel eingebrochen“.

Der Wiederaufbau von 1948 bis 1951

Eine barocke Stuckallegorie hatte sich 1951 an der Wand des Kirchenschiffs erhalten.
Weitere Verluste an der Barockausstattung erlitt das Bauwerk, als im Zuge des Wiederaufbaus am 7. Oktober 1948 begonnen wurde, die möglicherweise noch erhaltensfähige barocke Stuckverkleidung an zwei der westlichen Innenpfeiler in der südlichen Seitenkapelle (Gedächtniskapelle) und an den Eingangspfeilern zur Turmchorkapelle zu entfernen.
Andere barocke Ausstattung blieb jedoch erhalten, wie die der Außenkapelle an der Nordwand mit dem Deckenspiegel und Marienmonogramm oder die an den hohen Wänden des Langhauses befindlichen zwei Stuckallegorien.

Sicherung der Ruine: Beginn des Wiederaufbaus

Beim Wiederaufbau der Kirche wurden die erhaltenen Teile in eine Rekonstruktion mit vereinfachten Formen integriert. Der gut erhaltene massive Turmunterbau weist noch viel originale Bausubstanz auf. Der ehemals barocke Turmhelm wurde sachlicher ausgeführt.
Eine schwere Holzkassettendecke, die Balustrade der Empore und das Portal stammten aus der Werkstatt der Firma Ensle. Eine Notorgel wurde zunächst eingerichtet. Der Chor war 1951 durch eine niedrige Schranke aus braunem Marmor (geliefert von der Offenauer Marmorschleiferei) vom Langhaus abgetrennt. Die niedrige Kanzel wurde auch aus demselben Marmor geschaffen. Auf dem Altar im Chor befand sich das sechs Meter hohe schwere Holzkreuz, an dem die Christusfigur aus der romanischen Kapelle angebracht wurde. Diese Figur hatte das Feuerinferno in der Kirche überstanden.

Einfachheit: nach dem Wiederaufbau

Vom Turm und von den Glocken von St. Peter und Paul

Ich habe ihn oft besucht auf seinem Krankenlager, den Schwerstverwundeten vom 4. Dezember 1944, den Turm von St. Peter und Paul. Oftmals habe ich ihn durch Spezialisten eingehend untersuchen lassen. Die Diagnose wurde immer trauriger: Die Wunden klaffen immer weiter auseinander, Regen und Schnee und Frost zersetzen seine Kraft immer mehr; wenn nicht bald gründlich Hilfe geleistet wird, wird er sterben müssen. So lautete die düstere Diagnose. Die Fachärzte haben auch gleich das allein rettende Rezept verschrieben; aber wer soll diese teure Arznei bezahlen? — So mußte ich mich von meinem Schwerkranken halt jedes Mal verabschieden mit ein paar dürftigen Trostworten. Aber Tag und Nacht verfolgte er mich mit seinem traurigen Blick: „Pfarrer, läßt Du mich alten Mann, der der Gemeinde 700 Jahre so treu gedient hat, wirklich sterben?"
Und wie ich vor ein paar Monaten wieder an das Krankenlager kam, da konnte ich ihm auf seine Frage, „wie lang denn soll ich so ungeschützt dastehen, dem Regen und Sturm ausgesetzt?" die zuversichtliche Nachricht bringen: „Hab noch etwas Geduld und halte aus. Der Architekt ist eifrig damit beschäftigt, die Pläne für deine Kopfbedeckung zu fertigen." Und wieder ein paar Wochen später konnte ich meinem Patienten die erfreuliche Nachricht bringen: „Jetzt wirst du bald aufstehen dürfen von deinem Krankenlager. Auf dem großen Zimmerplatz des Baumeisters werden schon die Balken bebauen und zusammengefügt. In ein paar Tagen werden die Bauleute kommen. Sie werden erst deine Wunden ausheilen und dir dann einen Helm aufsetzen, daß du wieder in deiner ganzen Größe dastehst. Stolz wirst du dann wieder über die Dächer der Stadt hinschauen können. Deinen Helm wird ein vergoldetes Kreuz krönen, um die Menschen, die da unten so geschäftig durch die Straßen gehen, auf ihr letztes Ziel hinzuweisen."
Wieder ein paar Wochen später: Der Schwerkranke ist zu neuem Leben erwacht. Wohl ist noch ,ein schützender Verband um ihn gelegt, aber bald wird auch der abgenommen, und dann steht er wieder da in jugendfrischer Schönheit und Würde. Doch eine Krankheitserscheinung wird zurückbleiben — er wird stumm bleiben, er wird nicht singen können und nicht jubeln — es fehlen ihm die Glocken.
So stand ich in diesen Tagen traurigen Herzens im Innern des Turmes, in der Glockenstube. Ich ließ den Kopf ordentlich hängen. Da hat er mich aber tüchtig gerüttelt und mich mit seinen treuen Augen angeschaut. Sprechen konnte er ja nicht, aber in seinen Augen konnte ich lesen, was er sagen wollte: „Ich weiß, daß du viel Sorgen hast mit deiner Gemeinde; ich weiß, daß du viel Schulden auf deinem Rücken hast, und du sollst ja noch eine Kinderschule und ein Jugendheim und eine Kirche in Neckargartach und ein Walderholungsheim bauen. Es tut mir leid, daß ich dir auch noch weitere Sorgen machen muß .." Solche Worte haben mir Mut gemacht, und ich habe den Entschluß gefaßt: Ich werde mit meinen Pfarrkindern reden. Sie haben doch bisher ein so gutes Herz gehabt und werden mich auch jetzt nicht im Stich lassen. „Nein, das werden sie nicht", nickte darauf zustimmend der alte Turm, „und wenn sie mir jetzt helfen, dann werde ich nachher wieder jubeln, meine schönsten Glockenlieder anstimmen und singen, viel schöner wie in den Tagen der Jugendzeit — ihnen zur Freude und Gott zur Ehre." — „Meinst du wirklich, daß ich das meinen Pfarrkindern zumuten kann und darf?" habe ich, der Pfarrer, gefragt. „Warum denn nicht, fang ruhig einmal an. Ich kenne die Heilbronner Katholiken länger als du. Du wirst deine Freude erleben, zumal jetzt, wo Weihnachten vor der Türe steht. Jedes Jahr haben sie dir zu diesem Tag ein ganz ordentliches Scherflein gespendet. Sie werden sich auch in diesem Jahr nicht lumpen lassen. Sie sehnen sich doch schon so lang nach einem Glockenlied am Sonntag morgen. Und sie werden sich freuen, wenn das Taufglöcklein läutet, wenn ein so kleines Kindchen zum Gotteskind berufen wird durch die heilige Taufe. Sie werden sich freuen, die Brautleute, wenn sie mit einem Glockenlied zum Traualtar geleitet werden. Sie werden von heiliger Freude erfüllt sein, wenn die Glocken alle zusammen den Kindern ihren großen Tag der ersten heiligen Kommunion einläuten. — Und horch einmal ins Herz der alten Leute hinein! Haben sie dich nicht oft schon gefragt: „Herr Pfarrer, wenn wir einmal draußen auf dem großen Friedhof zur Ruhe gebettet werden, wird dann die Glocke den Trauerchoral anstimmen?" Also Pfarrer, „so sagte mir der Turm", hab Mut und nimm den Bettelsack wieder auf deine Schultern und klopf an. Klopf an bei den Reichen; für sie muß es doch eine Ehre sein, uns zum Erklingen zu bringen. Klopf an bei den Armen; die haben ja immer ein besonders Herz, die werden dich sicher nicht abweisen. Klopf an bei den Kindern; sie haben ja in den letzten Wochen schon freudig ihre Pfennige zusammengespart. Klopf auch an bei denen, die einen Sohn oder den Mann im Kriege oder „sonst ein Liebes am 4. Dez. 1944 verloren haben; diesen Toten soll ja eine Glocke besonders geweiht sein."
So nehme ich also das Bettelglöcklein in die Hand und läute die Bitte in alle Familien hinein: Gebt mir ein Weihnachtsscherflein für die Glocken von St. Peter und Paul. Dem alten Turm habe ich gesagt, daß ich seine Bitte erfüllen werde. Und jetzt träumt er in seliger Adventsstimmung von der Erfüllung seines Weihnachtswunsches, er träumt von neuer Jugend und neuen Glockenliedern, von altbewährter Opferfreude der Pfarrkinder von St. Peter und Paul.

Text ohne Quellenangabe aus unserem Kirchenarchiv

Undatiertes Bild einer Glockenweihe in St. Peter und Paul

"Ich, die Glocke St. Peter und Paul, Rufe zum Opfer, damit ich bald vom Turm mein Gotteslied singen kann -Euch zur Freude und Gott zur Ehre!"



Weihe der neuen Orgel
in St. Peter und Paul Heilbronn

an Christkönig 1961

So wie die Gestaltung des Kirchenraums, der Glasfenster usw. unsere Augen auf die Herrlichkeit der kommenden ,,Heiligen Stadt" hinweisen sollen, die ja schon in unser Leben hereinragt, so fällt der Orgel neben ihrem praktischen Dienst auch die Aufgabe zu, durch ihre Klänge unser Ohr die Herrlichkeit der kommenden ganz anderen Welt ahnen zu lassen und uns dorthin zu locken. Deshalb müssen beim Bau einer Orgel immer wieder die höchsten Anstrengungen gemacht werden. Die Orgel untersteht Wesensgesetzen, die man erst vor wenigen Jahrzehnten wiederentdeckt hat. Auf der anderen Seite muß die Orgel etwas Lebendiges sein, äußerlich und klanglich im guten Sinne ,,modern".
Deshalb wurde auch unsere neue Orgel mit dem alten System der Schleiflade ausgestattet, die dem Spieler eine unmittelbare Fühlung mit dem Tonventil ermöglicht. Eine solche Orgel klingt darum ,,beseelter" als das bei der elektrischen Spielart je möglich ist. (Dafür muß ein Preis gezahlt werden: der Spieltisch kann nicht irgendwo auf der Orgelempore aufgestellt werden, die Möglichkeiten der Aufstellung sind beschränkt. Hier wurde der Spieltisch als sogenannter Spielschrank in die Orgel eingebaut.) Der Einbau der vier Einzelwerke in Holzgehäuse dient vor allem der Verschmelzung und Plastik des Klangs, was bei dem langgestreckten Raum der Peter- und Paulskirche eine wichtige Forderung war.
Der Klangaufbau, die sogenannte Disposition, enthält ebenfalls ,,klassische" Elemente, ohne aber historische Vorbilder einfach nachzuahmen. Wie überall haben sich auch in der Musik tiefgreifende Wandlungen vollzogen, die sich ebenso im Orgelbau und im Orgelspiel auswirken müssen. Das wird sich u.a. auch in der Erschließung neuer Farbigkeit des Klangs zeigen.
Das Zeitalter des Barock ist vorbei, wo man es liebte, den ganzen Kirchenraum in Klang zu tauchen. Der Raum der Peter- und Paulskirche hätte eine noch größere Orgel ertragen, aber es wird sich erweisen, daß die 33 Register allen Anforderungen genügen werden. Um so mehr wurde auf Material und Konstruktion aller Einzelteile größte Sorgfalt verwendet. Auch für die großen Pfeifen wurde nur das wertvolle Zinn verwendet. Ebenso wurden bei der Mensur- und Intonationsgestaltung alle Register nach Bau und Klang eng aufeinander bezogen, wodurch sich vielfältige Mischungsmöglichkeiten ergeben. So wird das Instrument allen Ansprüchen des gottesdienstlichen und konzertanten Orgelspiels gerecht werden.
Hans Böhringer

Programm der Orgelweihe

Chor: Lobt Gott getrost mit Singen (A. Gumpelzheimer)
Ansprache: H. H. Prälat Dr. Wurm
Chor: Locus iste (A. Bruckner)
WEIHE DER ORGEL
Orgel: Improvisationen (mit Registervorführung)
Chor: Os justi (A. Bruckner)
Orgel: Orgelchoräle zu Osterliedern
„Mit Freuden zart" Ernst Pepping (Berlin) ,,Wir wollen alle fröhlich sein" Ernst Pepping (Berlin) Drei Variationen aus der Partita über „Christ ist erstanden" Joseph Ahrens (Berlin)
Gemeindelied: Allein Gott in der Höh' sei Ehr' (Ges. B. Nr. 165)
Nach dem 2. Vers Orgelzwischenspiel: Orgelchoral über dieses Lied von J. S. Bach.
Anschließend singt die Gemeinde Vers 3 und 4.
Orgel: Phantasie g-moll J. S. Bach
Orgelchoral über „Aus tiefer Not schrei ich zu Dir" (mit Doppelpedal) J. S. Bach
Aussetzung
Gebet
Chor: Tantum ergo (A. Kohler)
Segen
Gemeindelied: Großer Gott (2 Strophen)
Orgel: Phantasie über den gregorianischen Hymnus „Te Deum" Jean Langlais (Paris)

Mitwirkende:
Orgel: Hans Böhringer, Stuttgart
Der Kirchenchor von St. Peter und Paul
Leitung: Felix Werner

Disposition der Orgel von 1961

Hauptwerk:
1. Rohrflöte 16'
2. Prinzipal 8'
3. Spitzgambe 8'
4. Oktav 4'
5. Flötgedeckt 4'
6. Rohrnasat 2 2/3'
7. Superoktav 2'
8. Mixtur 4-5fach 1 1/3'
9. Trompete 8'

Oberwerk (schwellbar):
10. Schwiegel 8'
11. Gemsrohrpommer 8'
12. Hölzernprinzipal 4'
13. Nonensesquialter 2 2/3' + 1 3/5' + 8/9'
14. Oktav 2'
15. Sifflöte 1.1/3'
16. Scharf 4fach
17. Dulzian 16'
18. Schalmey 4'
Tremulant

Brustwerk (schwellbar):
19. Gedeckt 8'
20. Gemshorn 4'
21. Nachthorn 2'
22. Terzsepta 1 3/5' + 1 1/7'
23. Oktävlein 1'
24. Klingende Zimbel 3fach 1/4'
25. Vox humana 8'
Tremulant

Pedal:
26. Prinzipalbaß 16'
27. Subbaß 16'
28. Oktavbaß 8'
29. Piffaro 4' + 2' + 1'
30. Waldflöte 4'
31. Baßzink 5 1/3' + 3 1/5' + 2 2/3' + 1 1/3f
32. Posaune 16'
33. Bombarde 8'

3 freie Kombinationen und 5 Gruppenzüge für verschiedene Pleno- und Farbstufen, Normalkoppeln, mechanische Spieltraktur, elektrische Koppeln und Registertraktur.

Gesamtherstellung: Gebrüder Reiser, Orgelbau, Biberach an der Riß.
Disposition und Pfeifenmensuren: Oberstudienrat Dr. Hans Böhringer, Bischöflicher Orgelrevident, Stuttgart
Gestaltung und Aufbau des Prospekts: Dr. Walter Supper, Hauptkonservator, Eßlingen
Lieferung der Zungenregister: Firma Giesecke, Göttingen

Sanierungen 1968 bzw. 1994 und „Deutschordensmünster“ 1977

1968 erfolgte eine erste Renovierung, bei der weitere Teile der erhaltenen historischen Ausstattung zerstört oder beschädigt wurden. Renovierungsarbeiten in der Kirche 1968/69 unter der Leitung von Monsignore Josef Baumgärtner und dem Stuttgarter Architekten Hans Georg Reuter führten zu weiteren Verlusten an der bauhistorischen Substanz. Die Sanierung war von der Liturgiereform des II. Vatikanischen Konzils ausgelöst worden. Ziel war es, einen ungeteilten Innenraum zwischen Langhaus und Chor im Sinne einer Versammlungskirche zu schaffen. Dabei wurde ein die beiden Räume trennender, barocker Triumphbogen herausgebrochen. Das rechte Viertel eines an der Seite des Bogens befindlichen spätgotischen Wandgemäldes (Seccogemälde) wurde entfernt.
Die nach dem Wiederaufbau erhalten gebliebene Barockausstattung wurde nun endgültig entfernt, so auch die beiden Pilaster mit den Atlanten (gewölbetragenden Firguren) an der Nord- und Südwand. Ebenso wurden die Seitenwände der an der Nordwand befindlichen kleinen barocken Marienkapelle eingebrochen, um dort übergroße Glastüren einzusetzen. Die alte Barockkuppel der Marienkapelle wurde an den Hängezwickeln eingeschlagen, um eine glatte neue Decke zu schaffen.
1977 erhob der damalige Diözesanbischof Dr. Georg Moser die Kirche St. Peter und Paul in Heilbronn zum „Deutschordensmünster“.

Eine weitere Renovierung 1994/95 brachte viele künstlerisch und historisch wichtige Elemente zurück, die beim vereinfachten Wiederaufbau nach dem Krieg nicht berücksichtigt worden oder die bei der vorangegangenen Renovierung untergeordnet worden waren. Die bei der Renovierung 1994/95 wieder freigelegte und restaurierte Barockdecke zeigt einen Deckenspiegel, der ein Marienmonogramm erhielt.


Diese Informationen basieren auf dem wikipedia-Artikel "Deutschordensmünster St. Peter und Paul (Heilbronn)" in der Überarbeitung durch Max Mayer.